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Schiffsfunde von De Meern

Die Schiffsfunde von De Meern sind die archäologischen Relikte von insgesamt sechs römischen Schiffswracks unterschiedlicher Größe und Funktion. Sie wurden in der Nähe des antiken Auxiliarkastells Op de Hoge Woerd am Niedergermanischen Limes auf dem Gebiet des heutigen Vleuten-De Meern, einem Wijk (Stadtteil) der Gemeinde Utrecht in der niederländischen Provinz Utrecht, gefunden.

Neben den Schiffsfunden von Woerden und denen von Nigrum Pullum (Zwammerdam) befindet sich in Vleuten-De Meern einer der bedeutendsten Fundplätze römischer Schiffe in Nordwesteuropa, nicht zuletzt weil die in diesem Teil der Niederlande unter dem Meeresspiegel gelegenen, permanent feuchten Böden die Hölzer sehr gut konserviert haben. Die sechs Wracks, deren Reste im Gebiet von de Meern geborgen werden konnten, werden in der Fachliteratur von „De Meern 1“ bis „De Meern 6“ durchnummeriert.

De Meern 1 bis 6

De Meern 1 wurde 1997 entdeckt, 2003 geborgen und anschließend vom Rijksdienst voor het Cultureel Erfgoed (Reichsdienst für das kulturelle Erbgut des Ministeriums für Erziehung, Kultur und Wissenschaften) in dessen Niederlassung in Lelystad konserviert. Das Schiff ist ein Prahm aus niederländischem Eichenholz, dessen Fälldatum dendrochronologisch auf das Jahr 148 n. Chr. ± 6 datiert werden konnte. De Meern 1 wurde mindestens zweimal in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts (Fälldaten 157 und 164) ausgebessert und war vermutlich 50 bis 60 Jahre in Gebrauch, wofür die Beifunde von Ledersandalen sprechen, die einen Zuschnitt besaßen, wie er in den Jahren 190 bis 200 üblich war.

Das Schiff war rund 25 Meter lang und gut zweieinhalb Meter breit. Als Decksaufbau war eine Kapitänskajüte vorhanden, in der sich bei den Untersuchungen noch eine Werkzeugskiste und persönliche Gegenstände des Schiffsführers befanden. Neben den Funden sprachen auch die Befunde dafür, dass der Prahm in größter Eile verlassen wurde und schnell gesunken ist, möglicherweise bei einem verunglückten Anlegemanöver. Der Prahm De Meern 1 diente als Vorbild für den Schiffsnachbau Per Mare ad Laurium. Das Originalschiff ist heute im Museum „Castellum Hoge Woerd“ ausgestellt.

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