Autobahnwahn

Seit zwei Jahren ist meine Arbeit in Düsseldorf. Meine Familie lebt dagegen in Hamburg. Und dazwischen ich, aber ganz cool.

Vollbremskombination aus Ampel oder Einfädeln oder beides auf einmal. Geht nur mit Tricks. Eben noch kurz auf die A 52. Schon vielversprechend lebhaft.

Hinter dem Breitscheider Kreuz geht es richtig los. Stau auf der A 3 bis Oberhausen. Danach entspannt es sich auch nur deshalb, weil enge Baustellen mit rüden Geschwindigkeitsbegrenzungen zum gleichmässigen Rollen zwingen. Es wird links überholt, es wird rechts überholt. Es wird gar nichts mehr, alles steht und macht lange Gesichter. Ich dagegen wechsle die Cassette.

 

Es geht weiter. Vor und hinter mir hektische Spurenwechsel. So zieht sich das Stück A 2 bis zum Recklinghauser Kreuz. Der erhofften Entspannung folgt zuverlässig der Vollfrust.

Die A 43 bis Münster ist genauso voll wie das Kamener Kreuz zur Rush-hour. Auf der A 1 ist dann endgültig Schluss mit lustig. Alles dümpelt auf der Überholspur. Natürlich mit 90. Rechts geht es schneller, irrerweise wegen der Lkws. Die wollen nämlich alle noch vor zehn zu Hause sein.

Osnabrück. Dammer Berge. Tanken, weil kleiner Tank. Nach Wildeshausen wird die Autobahn dreispurig. Klasse! Alles stürmt nach links, auch ein Kadett City mit Bochumer Kennzeichen. Bleibt hartnäckig. Blinker bringt auch nichts. Lichthupe ebenfalls zwecklos. Muss rechts vorbei. Ein Mittelscheitel macht den Breiten. Der Verkehr verzieht sich.

Nach Stuckenborstel gehe ich vom Gas nicht mehr runter. Den Abzweig zum Elbtunnel mal wieder viel zu schnell genommen. Der Rest geht schnell. Entscheide mich natürlich wie immer für die linke Röhre, um dann nach Tunnelende dramatisch blitzartig vier Spuren nach rechts in die Ausfahrt hineinzubremsen.

Künstlichkeit

Lindy`s Cheese Cake halten die Amerikaner irrtümlich für einen Ureinwohner ihres schönen Landes; er stammt aus dem Schwäbischen. Dagegen hätten sie mit Coca-Cola beinahe den Goldpokal gewonnen, wäre da nicht auch die Süßreserve des deutschen Weinbaus.

Den 1.Preis, unvergänglichen Ruhm und das Bewußtsein, endlich der Welt gezeigt zu haben, daß sie kreativer sind als der nichtdeodorierte Teil der Menschheit, errangen sie schließlich mit der Erfindung des Hamburgers. So wie er aussieht, scheint es völlig aus geschlossen, daß der Brotteil aus Mehl gebacken wurde und der Fleischteil von einem Tier stammt.

Tatsächlich besteht ein Hamburger zunächst einmal aus einem Image. Das ist unterschiedlich, indem für die einen ein Hamburger die modernste, schnellste und billigste Möglichkeit darstellt, den Hunger zu stillen, während er für andere eine weitere, aus Amerika stammende Bedrohung europäischer Kultur ist. In einem Punkt sind sich aber alle einig: Ein Hamburger ist eßbar.

Ich bin da nicht so sicher. Der eindrucksvollste Bestandteil eines Hamburgers sind die Zwiebeln. Je nachdem, ob zwischen den Teigscheiben viele oder wenige Zwiebeln gequetscht sind, ist die Duftwolke, die ein Hamburger ausstößt, umweltgefährdend oder nicht. Der Geruch von Zwiebeln hängt in den Kleidern wie Zigarrenrauch in den Gardinen, verglichen damit ist eine Brüsseler Frittenbude eine olfaktorische Harmlosigkeit.

Wer mit dem Hamburger eine fingerdicke Lage Zwiebeln herunterschluckt, der muß einen Magen haben wie eine Kuh und eine Haftpflicht, weil er mit seinem Zwiebelatem sogar einen Schaffner des Balkan-Express bewußtlos pusten könnte. Die wenigsten Zwiebeln verwendet McDonalds; in den Produkten dieser Firma sind sie so fein gehackt, daß es fast appetitlich wirkt, wenn ich dieses Wort auch im Zusammenhang mit Hamburgern nur zögernd gebrauche.